AMSA, ÖMU und JAMÖ präsentieren:

Podiumsdiskussion "Allgemeinmedizin - Facharzt mit Zukunft?"

am 12.03.2010, 18:00
Hörsaal 1 Hörsaalzentrum AKH

Das Thema ist heiß: Allgemeinmedizin. Wer braucht Sie? Die heutige Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin geht auf das Jahr 1945 zurück. Eine Reform der Ausbildung ist dringend notwendig. Doch wer finanziert diese?

In kurzen Impulsvorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion soll die derzeitige Situation in Österreich dargestellt werden. Auch Fragen und Anregungen aus dem Publikum werden anschließend behandelt.

Wir freuen uns als Redner begrüßen zu dürfen:

  • O.Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Wolfgang Schütz (Rektor der Medizinischen Universität Wien)
  • Dr. Peter Niedermoser (Präsident der Oberösterreichischen Ärztekammer)
  • Dr. Reinhold Glehr (Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin)
  • Hon.-Prof. Dr. Robert Schlögel (Sektionsleiter im Bundesministerium für Gesundheit)
  • Dr. Martin Andreas (Referent für arbeitslose Ärzte und Jungmediziner)
  • Dr. Julia Baumgartner (Vorsitzende der JAMÖ)
  • Dr. Johannes Gregoritsch (Abteilungsleiter-Stellvertreter der Abteilung Vertragspartner ÄrztInnen).

Wir freuen uns darauf Euch zahlreich bei der Diskussion zu begrüßen!


Fotos von der Veranstaltung:

Obige Bilder können Sie auch hochauflösend (ZIP Archiv ~30MiB) herunterladen. Bitte folgen Sie dazu folgendem Link: http://dl.dropbox.com/u/4103977/Podiumsdiskussion_Allgemeinmedizine_120310/Pressefotos.zip


Pressetext

Allgemeinmedizin - Facharzt mit Zukunft? Ergebnisse einer Podiumsdiskussion.

Die Zukunft der Allgemeinmedizin in Österreich wird momentan heiß diskutiert. Am Freitag den 12.3. ergriff eine breite Masse von MedizinstudentInnen und JungärztInnen, namentlich von der Austrian Medical Students Association (AMSA), der Österreichischen Medizinerunion (ÖMU), und der Jungen Allgemeinmedizin Österreich (JAMÖ), in Wien die Initiative und lud zu einer Podiumsdiskussion. Der Schwerpunkt der Podiumsdiskussion galt der Verbesserung der allgemeinmedizinischen Ausbildung und dem Ausbau der Lehrpraxen.

DDr. Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität Wien, brachte einen Teil der Problematik in seinem ersten Statement auf den Punkt :"Die Allgemeinmedizin gehört aufgewertet, sie gehört Fachärzten gleichgestellt". Die Allgemeinmedizin genieße in Österreich, verglichen mit anderen Fachrichtungen, ein niedrigeres Ansehen. Die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin sollte attraktiviert werden, so Dr. Reinhold Glehr von der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin.

Die andere Hälfte der Problematik wurde von Dr. Peter Niedermoser, Präsident der oberösterreichischen Ärztekammer, treffend formuliert: "Es geht prinzipiell wirklich darum, wie wir die Lehrpraxis, die 12 Monate dauern soll, finanzieren." Die Lehrpraxisfinanzierung benötige bis zum Vollausbau im Jahre 2020 etwa 12 Millionen Euro pro Jahr und man könne "sich eine Drittellösung vorstellen - ein Drittel Staat, [...] ein Drittel Land, ein Drittel die Lehrpraxisinhaber".

Dr. Robert Schlögel, Sektionsleiter im Bundesministerium für Gesundheit, formulierte die Ziele einer optimal funktionierenden Allgemeinmedizin in wenigen Punkten: Sie sollte eine erste Ansprechstelle für alle Gesundheitsprobleme und Drehscheibe einer integrierten Versorgung sein, die Auswahl der optimalen Betreuung treffen und außerdem einen Schutz vor Fehl-, Unter- und Überversorgung bieten. Weiters wurde von Ihm auch bestätigt, dass sich niemand - also weder Bund, Länder, Sozialversicherung noch Lehrpraxisinhaber - für die Finanzierung der Lehrpraxen zuständig fühle.

Dr. Johannes Gregoritsch vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungen und Dr. Julia Baumgartner von der Jungen Allgemeinmedizin Österreich betonen, dass Investitionen in eine gute Allgemeinmedizin Investitionen in die Zukunft seien. Treffend formuliert von Dr. Gregoritsch: "Es muss Rationalisierung vor Rationierung stehen". Dr. Baumgartner zieht einen bildhaften Vergleich: "Unser Gesundheitssystem ist vergleichbar mit einem Haus das sehr gut designt wurde [...] nur wurde verabsäumt Renovierungsarbeiten durchzuführen." Bekennend zum Problem der Finanzierung lenkt Sie nochmals die Aufmerksamkeit auf den Investitionscharakter: "Eine gute Allgemeinmedizin ist die günstigste Art der Versorgung!"

Rektor Schütz erklärt die politische Problematik: "Das politische Denken ist[...]: was habe ich davon, wenn ich in 10 Jahren soundsoviel Millionen einspare, wenn ich jetzt eine Million zahlen muss." Beifall aus dem Publikum kommt zur prägnanten Bemerkung von Dr. Niedermoser: "Ich nehme auch mal in Kauf dass die Lehrpraxis einmal tot ist, um dann aus der Asche etwas neues zu strukturieren.[...] Die Politik wirds nicht anders bemerken als wenn der Ruf [aus der Wählerschaft] kommt, dass die gute Versorgung [wie sie derzeit existiert] nicht mehr vorhanden ist."

"Ich hoffe dass durch diese Veranstaltung und durch das Interesse der Studenten wieder neuer Schwung in die Verhandlungen [...] reingebracht wird." resümiert Dr. Baumgartner.

Der Nebel über der Zukunft der Allgemeinmedizin ist noch nicht verzogen. Es regt sich immer mehr Unmut unter den betroffenen Personengruppen über die haltlosen Zustände im derzeitigen österreichischen System. Auch eine Solidarisierung der breiten Masse bleibt nicht aus. Die AMSA und JAMÖ haben gemeinsam eine Petition gestartet um weiteren Druck auszuüben. Diese hat bereits starke – auch internationale – Unterstützung gefunden.


Rückfragehinweis: 0650/870 66 52 Weitere Informationen und Fotos: www.amsa.at/Allgemeinmedizin_Podiumsdiskussion_Wien