Weltfrauentag
Habt ihr auch das Gefühl, es gibt schon bald so viele Weltirgendwastage wie das Jahr Tage hat - oder reichen 365 Tage gar nicht mehr? Für jede Farbe des Regenbogens gibt es wohl eine eigne Schleife, die irgendwas bedeutet. Wie soll man da überhaupt wissen, welches Thema man ernst nehmen soll? Gibt es überhaupt Gedenktage, die wichtiger sind als andere? Und hätte man dann überhaupt an jedem Tag noch Zeit, um an etwas anderes, Alltägliches zu denken, wenn mann/frau den ganzen Tag im Geiste des Gedenktages leben würde?
Ziel solcher Gedenktage ist es ja, Themen, denen oft nicht soviel Aufmerksamkeit geschenkt wird, zu mehr Präsenz zu verleihen. Oft sind es Themen, die dem Bewusstsein der Öffentlichkeit nur „Minderheiten“ betrifft. Beispielsweise der „Welt-AIDS-Tag“ am 1. Dezember. AIDS? Betrifft ja nur weltweit 40 Millionen Menschen. Oder jetzt auf einmal der „Weltfrauentag“ am 8. März! Frauen? Wozu brauchen die denn einen eignen Tag, an dem man nur an die Frauen denkt? Manche Männer denken doch sowieso den ganzen Tag nur an das eine, und das hat ja eh auch irgendwie mit Frauen zu tun... Und Minderheit sind sie auch keine – ich würde mal glatt behaupten, etwa die Hälfte aller Menschen sind Frauen. Außer vielleicht in Indien, wo explizit Mädchen abgetrieben werden – womit wir schon ganz beim Thema Diskriminierung sind.
Der Weltfrauentag hat bald eine 100jährige Geschichte – das Datum, an dem er zelebriert wird, hat sich allerdings öfters geändert. Das heutig gültige Datum, der 8. März, geht wahrscheinlich auf den Streik von Arbeiterinnen einer Textilfabrik in New York zurück, bei dem diese eingesperrt wurden und bei einem darauf ausgebrochenen Brand 129 Frauen ums Leben kamen.
Einerseits sollen am Weltfrauentag bereits errungenen Erfolge rund um ökonomische, soziale, politische und kulturelle Gleichstellung gefeiert werden, gleichzeitig aber auch Gelegenheit bieten, auf die noch lange globale Liste der Missstände hinzuweisen: Bessere Bildung, weniger Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung, keine Genitalverstümmelungen, keine Kinderheirat – alles leider immer noch nur die Spitze eines Eisberges.
Warum gibt es zum Beispiel nur wenige Väter, die in Karenz gehen? Warum meint eine Freundin von mir nach jeder größeren Medizin-Prüfung, sie werde jetzt mal als erstes wieder die gemeinsame Wohnung von ihr und ihrem Freund sauber machen? Warum gibt es so viele „Krankenschwestern“ und „Onkel Doktor“, aber doch komischerweise keine „Krankenbrüder“ und „Tante Doktor“? Erreicht mann/frau über die Änderung der Sprache auch eine realgesellschaftliche Veränderung?
Nun, du merkst, das Thema wirft doch in der Tat noch einige Fragen auf – die Berechtigung für einen Tag der Frau, an dem man sich mit ihrer Situation noch genauer auseinandersetzt, ist also zweifelsohne gegeben! Vielleicht bist ja auch du nun ins Grübeln gekommen?
Die AMSA hat sich jedenfalls schon dazu Gedanken gemacht, und Aktionen geplant! In Graz wurden pink ribbons auf der Straße verteilt. Diese Gelegenheit wurde genutzt, um mit ein paar Quiz-Fragen zum Thema Frauengesundheit („Wie viele Frauen erkranken in Österreich jährlich an Brustkrebs?“ Antwort: 4500) die Sensibilität der Leute zu erhöhen. In Wien konnten wir einen sehr interessanten Vortrag zum Thema „Gender Medicine“ mit Frau Prof. Rieder anbieten, in Graz wurde ein Vortrag zu diesem Thema von Frau Prof. Rasky gehalten.




