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04-11-2008 Erbsen auf halb 6


Zum Auftakt in ein neues "Movies & Medicine"-Jahr wurde zum Thema "Blindheit" mit "Erbsen auf halb 6" eine eindrucksvolle Tragikomödie gezeigt, die mit einer mitfühlenden Story, der überaus witzigen Nebengeschichte und ihren beiden großartigen Schauspielern überzeugen konnte. Eine anregende Diskussion mit Betroffenen und ca. 150 Studenten sorgte danach auch für viele Aha-Effekte.

Der Film wurde aus Rücksicht auf die Gäste mit Audio-Kommentaren für Blinde gezeigt, was insgesamt sehr gut ankam und die Phantasie auch ein wenig anregte.

Es ist Nacht. Regen prasselt auf die Autobahn, auf der Jakob in seinem VW Käfer unterwegs ist. Eine kurze Unaufmerksamkeit führt zu einem Unfall, nach dem nichts so sein wird wie es vorher war: Seine Netzhaut ist zerstört, das Augenlicht für immer verloren.
Im Gegensatz zu Jakob kennt Lilly den Unterschied zwischen hell und dunkel nicht. Sie ist seit Geburt blind, arbeitet als Lehrerin am Blindeninstitut und findet sich im Leben trotz ihrer Behinderung wunderbar zurecht. Der vormals erfolgreiche Theaterregisseur wird damit jedoch nicht fertig. Seine Hilflosigkeit und zunehmende Verbitterung münden in einem inneren und äusseren Chaos: Jakob stösst gegen jedes erdenkliche Hindernis, spricht ins Leere und fällt beim Suizidversuch in einen Erdbeerkuchen statt in den tödlichen Abgrund.
Auch die Hilfe Lillys ist für ihn kein Lichtblick. Das ändert sich, als sie gemeinsam nach Russland aufbrechen, um Jakobs todkranke Mutter zu besuchen. Auf der Reise lehrt sie ihn den Regen hören, er malt in ihrer Phantasie Bilder von gelb oder blau. Und je weiter sie sich von Deutschland entfernen, desto näher kommen sich die beiden durch sanfte Berührungen und vorsichtiges Ertasten, die sie in der zweisamen Dunkelheit eins werden lassen.

Gastredner war diesmal Prof. Dr. Nikolaos Bechrakis von der Augenklinik, sowie 2 Blinde, mit Begleitung vom Blindeninstitut Innsbruck. Die Betroffenen sprachen sehr offen und aufschlussreich über ihre eigenen Erfahrungen und beantworteten die teils hoch interessanten Fragen aus dem Publikum. So eröffnete sich für die Studenten eine komplett neue Welt, in der alltägliche Tätigkeiten oft unkonventionell, jedoch sehr geschickt gelöst werden. Wie zum Beispiel die Beschreibung: "Die Erbsen befinden sich auf halb 6 am Teller."

Die AMSA bedankt sich bei allen Gästen die gekommen sind, sowie Prof. Dr. Nikolaos Bechrakis und dem Blindeninstitut Innsbruck für die Zusammenarbeit, die diesen erfolgreichen Abend möglich machte!



Informationen zum nächsten Termin anlässlich des Welt-Aids-Tages im Dezember (Film: Transit) erhält ihr auf der allgemeinen Movies & Medicine-Seite oder durch unseren Newsletter, die InfoLine.