14-06-2007 Themenabend: Psychiatrie im Film

Nehmen wir an, ein Mann wird wegen Gelenksbeschwerden stationär auf einer orthopädischen Station aufgenommen – sofern er bisher nichts mit Medizin zu tun hatte, wird er sich nicht zwangsläufig ein Bild davon machen können, wie es auf solch einer Station zugeht.
Und jetzt nehmen wir an, derselbe Mann wird auf einer psychiatrischen Station aufgenommen – sollte er jemals den Film „Einer flog übers Kuckucksnest“ gesehen haben, hat er garantiert eine gefestigte Vorstellung davon, was für ein Haufen Irrer ihn hier erwarten wird.
Kaum ein medizinisches Fach wird in der Filmindustrie so ausgeschlachtet wie die Psychiatrie und Psychotherapie. Bedenkt man die Vielzahl der Motive, ist das kein Wunder: von einer Therapeuten-Patienten-Liebesbeziehung angefangen über Gehirnwäscheszenarien bis hin zu einer detaillierten psychiatrischen Ausarbeitung der kranken Motive des Serienmörders sind die Möglichkeiten hier unermesslich.
Prim. Dr. Rainer Gross, Vorstand der Abteilung für Sozialpsychiatrie in Hollabrunn, wird extra aus Niederösterreich anreisen, um mit uns einen amüsanten Streifzug durch die Geschichte des Films und die Rolle der Psychiatrie darin zu unternehmen.
Als illustratives Beispiel zeigen wir Stanley Kubricks A Clockwork Orange, ein verstörendes aber zeitlos wirkendes Meisterwerk, das uns die Psychiatrie als allmächtige Menschen-programmierende Staatseinrichtung zeigt und diesen Aspekt gelungen mit beißender Kritik am Establishment verwebt. Aufgrund seines kontroversiellen Inhaltes (der gewissenlose und gewalttätige Gangleader Alex unterzieht sich während seiner Haftstrafe einem psychiatrischen Experiment, das ihn wieder an die Gesellschaft anpassen soll) wurde der Film in Großbritannien 27 Jahre lang unter Verschluss gehalten. Heute gilt er jedoch – wahrscheinlich auch wegen der noch immer anhaltenden Diskussionen darum – in vielen Kreisen als Kultfilm.
Der Eintritt ist natürlich wie immer frei, und sowohl Medizin- als auch Nichtmedizinstudierende und überhaupt alle, die es interessiert, sind herzlich zu diesem letzten „Movies & Medicine“ vor dem Sommer eingeladen! Also kommt, auf dass es ein gelungener Abschluss eines erfolgreichen zweiten Jahres wird!
Und als gelungenen Abschluss kann man das auch wirklich bezeichnen! 150 Studenten kamen und interessierten sich für einen faszinierenden Vortrag eines charismatischen Gastredners und einen fantastischen Film, der im Anschluss noch viel Diskussionsstoff bot.
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Informationen zum nächsten Termin erhält ihr auf der allgemeinen Movies & Medicine-Seite oder durch unseren Newsletter, die InfoLine. |
Thomas Memmer




