Bericht: Famulatur in Boston, Massachusetts,

am Massachusetts General Hospital (MGH),

affiliated teaching hospital of Harvard Medical School (HMS)

Art des Praktikums:

Famulatur: selbst organisiert. 4 Wochen, vom 18.11.2002 bis 15.12.2002.

Zur Person:

Name:             Mag. Beatrice Nadler, beatrice.nadler@univie.ac.at

Für Fragen und Auskünfte stehe ich gerne jederzeit via e-mail oder auch persönlich zur Verfügung!

Einsatzland/Einsatzort:

Land:              USA

Region:           Massachusetts

Stadt:              Boston

Amtssprache:  Englisch

Empfohlene Impfungen: keine speziellen für die Ostküste der USA. Es wird allerdings von Harvard Medical School ein Nachweis über diverse Impfungen von Austauschstudenten verlangt (siehe weiter unten).

Gesundheitsprofil des Landes / der Region:

Das Gesundheitsprofil der USA ist in wesentlichen Zügen mit unserem vergleichbar.

Wohnen und Essen:

Wohnen

 Ich habe das unglaubliche Glück eine liebe Bekannte in der Nähe von Boston zu haben, die mich für die gesamte Zeit meines Aufenthalts in den Staaten kostenlos bei sich wohnen ließ.

Um nun aber auch anderen Studenten ein wenig behilflich zu sein, so sei erwähnt, dass Harvard Medical School für Austauschstudenten Unterkunftsmöglichkeiten anbietet, und zwar in Vanderbilt Hall (vanderbilt_hall@hms.harvard.edu). Dies organisiert man sich am besten vor der Ankunft in Boston!

Ansonsten gibt es natürlich auch die Möglichkeit sich auf eigene Faust eine Unterkunft zu suchen. In Boston könnte das allerdings ziemlich teuer werden. Man sieht sich daher besser in der näheren Umgebung um. Boston ist auch mit einem Pendlerzug relativ leicht zu erreichen, was ich aus eigener täglicher Erfahrung bestätigen kann.

Essen

Prinzipiell ist das Essen in Restaurants in den Staaten im Vergleich zu Österreich extrem teuer. An meinem Krankenhaus gab es aber eine Mensa, wo man zu erschwinglichen Preisen zu Mittag essen konnte. Ich hatte sogar öfters das Glück, dass gratis Mittagessen für die Mitarbeiter unserer Abteilung bereitgestellt wurde. ;-)

Ausbildungsstätte:

Klinik

Massachusetts General Hospital (MGH), affiliated teaching hospital der Harvard Medical School (Universitätsklinik)

Abteilung

Ich war der „Pulmonary and Critical Care Unit“ zugeteilt, einer Abteilung für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Pulmologie. Die Abteilung bietet ambulante Patientenbetreuung, einen 24-Stunden Konsultations-Service für alle Stationen des Krankenhauses, und ist zusätzlich für die Betreuung von Patienten auf Intensivstationen verantwortlich. Von der Abteilung werden Bronchoskopien, Lungenfunktionstests, Exercise Stress Tests, Rechtsherzkatheter und anderes mehr durchgeführt. Sie ist für die Ausbildung von jungen Ärzten zu Lungenfachärzten zuständig und bietet selbstverständlich auch im Bereich der Forschung ein breites Spektrum international angesehener Projekte. Leiter der Abteilung ist Charles A. Hales, M.D., Professor of Medicine (HMS). Nähere Informationen über die Abteilung, Mitarbeiter und Forschungsschwerpunkte findet man unter: http://www.mgh.harvard.edu/pulmonary/.

Patientengut

Von der Abteilung werden ambulante und stationäre Patienten sowie Patienten auf Intensivstationen betreut. Da es sich um eine Universitätsklinik handelt, bekommt man als Student viele verschiedene, auch seltenere, Krankheitsbilder zu sehen.

Häufige Krankheitsbilder

Asthma, COPD, Pulmonalembolie, Pleuraergüsse, Bronchialkarzinom, interstitielle Lungenfibrose, pulmonale Hypertension, Schlafapnoe, Sarkoidose, Schlafapnoe, Zystische Fibrose

Medizinisches Personal

Das medizinische Personal besteht aus den „staff physicians“, also den fix angestellten Fachärzten der Abteilung, und den sich in Facharztausbildung befindlichen „fellows“. Zusätzlich hat man es als Student natürlich auch mit den „interns“ (d.h. den Turnusärzten im 1. Jahr), den „residents“ (Turnusärzte im 2. und 3. Jahr) und den Krankenschwestern der Stationen zu tun.

Dinge, die man unbedingt selber mitnehmen sollte

Dazu gehört natürlich erst einmal die „ärztliche Ausrüstung“, d.h. Stethoskop, Stablämpchen etc. Einen weißen Mantel muss man nicht mitbringen, der wird vom Krankenhaus zur Verfügung gestellt. Hier sei aber noch ein Wort zur Kleidung generell angebracht (die man ja auch selbst mitbringen muss ;-)): Im Gegensatz zu den größtenteils fehlenden Kleidervorschriften in den meisten österreichischen Spitälern legt man in den USA großen Wert auf eine professionelle äußere Erscheinung! Männliche Kollegen tragen Anzug und Krawatte, weibliche Ärzte schöne Hosen oder Röcke mit Blusen oder mehr oder minder eleganten Tops. Jeans sind verpönt, man erntet damit sicher schiefe Blicke. Das Schuhwerk sollte auch einigermaßen gepflegt sein. Bei uns übliche „Arztschlapfen“ werden von amerikanischen Ärzten nicht getragen. (Wer „emergency room“ kennt, weiß, wie sich Ärzte und Ärztinnen in den Staaten kleiden. ;-))

Arbeit und Ausbildung:

Dauer der Famulatur

HMS bietet Famulaturen („electives“) für jeweils 4 Wochen an. Als Austauschstudent kann man maximal an 3 Famulaturen teilnehmen.

Arbeitsroutine

Ich war dem Konsultations-Service zugeteilt, wo man als Student 5 Patienten pro Woche eigenständig sehen sollte. Das klingt nun vielleicht etwas wenig, ist es aber nicht, da man sich mit den eigenen Fällen intensiv auseinandersetzen soll. Das inkludiert auch wissenschaftliche Suche nach ähnlichen Fällen in medizinischen Datenbanken!

Man bekommt als Student also täglich einen neuen Patienten, muss sich aber fortlaufend auch um alle anderen eigenen Patienten kümmern. Wie gewöhnlich beginnt man bei einem neuen Patienten natürlich mit der Anamnese und der physikalischen Krankenuntersuchung. Es sollte einem auch die spezielle Fragestellung bekannt sein, welche die betreuenden Stationsärzte dazu gebracht hat, den Konsultations-Service zu rufen, um keine wichtigen Gesichtspunkte in Anamnese und Untersuchung zu vergessen. Als nächsten Schritt nimmt man sich dann alle verfügbaren Daten des Patienten vor: Klinische Chemie, Blutbild, Radiologie, Lungenfunktionstests, Pathologie, Kardiologie, etc. Mit Hilfe all der Information versucht man sich dann ein umfassendes Bild zu machen und überlegt sich eigene Vorschläge zu weiteren diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, um die Fragestellung der Stationsärzte zu beantworten. Diese Überlegungen bespricht man dann mit den „fellows“, die ebenfalls im Konsultations-Service arbeiten. Man diskutiert den Fall intensiv mit ihnen durch, und sie helfen einem, die eigenen Gedanken zu ordnen und geben einem den richtigen Blick auf das wesentliche. Hat man sich mit den „fellows“ auf eine Vorgehensweise geeinigt, schreibt man eine Notiz („progress note“), die alle wesentlichen Punkte der Konsultation enthalten muss: „history of present illness“ (HPI, enthält kurzen Überblick über Alter, Geschlecht und jetziger Problematik des Patienten), „past medical history“ (PMH, enthält die Patientenvorgeschichte), Familien- und Sozialanamnese, Allergien, Medikamente, Ergebnisse der physikalischen Krankenuntersuchung, wichtigste Labordaten, radiologische Befunde und Ergebnisse der verschiedenen anderen Untersuchungen (EKG, Echo, Lungenfunktionstest etc.); zum Schluss gibt man in „assessment & plan“ eine kurze, prägnante Zusammenfassung, welche eine Darstellung der eigenen Überlegungen mitliefert und die Vorschläge für die weitere Vorgangsweise enthält. Man unterschreibt die „progress note“ selbst, sie wird aber noch von den „fellows“ abgezeichnet.

Der Tagesablauf im Konsultations-Service, der in unserem Fall aus einem „attending“ (ein zuständiger „staff physician“), 2 „fellows“, einem „resident“ und mir bestand, sah folgendermaßen aus:

In der Früh, vor den „morning rounds“ um 9:30, besucht man alle eigenen Patienten, um sich über ihren Zustand und Fortschritt zu informieren. In den „morning rounds“, eine Art Sitzvisite, stellt man dann einerseits den neuen Patienten des Vortages vor, und berichtet andererseits über den Fortschritt der eigenen „alten“ Patienten. Gemeinsam wird dann noch einmal die Vorgehensweise besprochen. Man nimmt natürlich auch an den Besprechungen über alle anderen Patienten der Kollegen aktiv teil. Neue Patienten werden nach der Sitzvisite gemeinsam vom gesamten Konsultations-Team besucht, und in speziellen Fällen sieht man sich auch die Röntgenbilder oder CT’s gemeinsam mit Radiologen an.

Nach den „morning rounds“, also um die Mittagszeit, gab es fast täglich interessante Veranstaltungen – teilweise für alle Mitarbeiter (wissenschaftliche Vorträge), teilweise aber auch nur für „first year fellows“, „residents“ und Studenten (Lehrveranstaltungen im engeren Sinne).

Die neuen Patienten bekommt man dann meist nachmittags. Zwischendurch gibt es auch immer genug zu tun, denn man braucht ja auch noch Zeit, um sich in der medizinischen Literatur ausführlicher mit den diversen Fällen zu beschäftigen. Außerdem möchte man „seine“ Patienten auch zu diversen Untersuchungen begleiten, die in unserer Abteilung gemacht werden, wie Bronchoskopien und Lungenfunktionstests! Wie lange man am Nachmittag beschäftigt ist, hängt vom Zeitpunkt ab, da man einen neuen Patienten bekommt.

Und dies führt nun direkt zur Frage der Arbeitszeiten…

Arbeitszeiten

Die Arbeitszeiten gestalteten sich unterschiedlich. Es gab keine fixe Vorschrift, wann man morgens ins Spital kommen musste, aber man musste es natürlich zu den „morning rounds“ schaffen und vorher auch noch die eigenen Patienten sehen! So war ich immer zwischen 7:30 und 8:00 im Krankenhaus, außer  donnerstags und freitags, wo es um 7:00 schon Lehrveranstaltungen gab.

Wie lange man abends zu tun hatte, hing davon ab, wann man eine Konsultation bekam, und wie lange man für das Aufarbeiten derselben brauchte. Die fellows haben mir netterweise nie später als 16:00 Uhr eine Konsultation übergeben, sodass ich das Spital üblicherweise zwischen 18:00 und 20:00 verlassen habe. Es gab keine Nacht- und Wochenenddienste.

Betreuung, Anweisung und Aufsicht

Einen Großteil dieser Frage habe ich schon weiter oben detailliert dargelegt. Sowohl die „fellows“ als auch unsere „attendings“ waren stets bemüht, die Fälle ins Detail mit mir zu besprechen, Fragen zu beantworten und auch Hintergrundwissen zu vermitteln. So wurde auch des öfteren einschlägige Literatur besprochen, wobei ich selbst auch zwei Mal einen Vortrag halten durfte.

Meine Arbeit stand natürlich immer unter der Aufsicht der „fellows“ und des „attending“, auch wenn ich sehr eigenständig arbeiten durfte! Insgesamt stellt diese Form des Einbindens eines Studenten in den klinischen Alltag eine tolle Art des Einzelunterrichts dar, da stets alle Kollegen bemüht waren, mir etwas beizubringen.

Medizinische Aufgaben und Pflichten

Ich denke, auch dieser Punkt wurde bereits erschöpfend behandelt. ;-)

Praxis

Im Gegensatz zu Famulaturen in Österreich war ich nicht für Stationsarbeit (Blutabnehmen, Venflon setzen, Blutdruck messen etc.) verantwortlich. Daher habe ich keine „praktische Tätigkeiten“ am Patienten im engeren Sinne durchgeführt. Aber ich durfte praktisch lernen, wie man eigenständig von der Befunderhebung zur Diagnose und Therapie gelangt – eine wichtige Tätigkeit im ärztlichen Alltag, wie ich meine. ;-)

Anrechnung durch die Fakultät:

Da ich erst vor 2 Wochen aus den USA zurückgekommen bin, kann ich über diesen Punkt noch nicht berichten. Ich liefere meine Erfahrungen aber gerne nach!

Ich muss auch noch auf die Bestätigung meiner Famulatur von HMS warten, was vielleicht noch ein Weilchen dauern kann. Ich denke aber nicht, dass es ein gröberes Problem werden sollte, diese Famulatur an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien anrechnen zu lassen.

Finanzielles:

Vorbereitungskosten:   

Reisekosten: ca. 530 € für den Flug nach Boston

Visum: HMS empfiehlt allen Austauschstudenten, als Touristen in die USA einzureisen, sodass ich nichts für ein Visum bezahlt habe.

Impfungen: HMS fordert von Austauschstudenten einen Nachweis über folgende Impfungen (oder durchgemachte Krankheiten):

Tuberkulose Test (PPD), Tetanus/Diphtherie, MMR, Hepatitis B, Nachweis über Immunität gegen Varizellen Zoster Virus. Ich habe für den PPD 15,90 € bezahlt, für MMR etwa 30 €, für den Antikörpertest gegen VZV etwa 15 €. Tetanus/Diphtherie war ich geimpft, und Hepatitis B ist bekanntlich für Medizinstudenten ab dem 2. Abschnitt gratis.

Ausgaben in Österreich:

Rückholversicherung: Ich habe eine Krankenversicherung mit Weltdeckung bei der Wiener Städtischen Versicherung um 17,40 € abgeschlossen. Dies ist eine Reisekrankenversicherung, welche für ein Jahr gilt (Beginndatum wählbar) und bei jedem Auslandsaufenthalt innerhalb des Jahres eine Krankenversicherungsdeckung für die ersten 6 Wochen des Aufenthalts gewährleistet. Außerdem ist auch eine Rückholversicherung beinhaltet. Sollten genauere Informationen gewünscht sein, bitte ich, mit mir Kontakt aufzunehmen!

Berufshaftpflichtversicherung: Darum muss man sich nicht extra kümmern, da eine „malpractice insurance“ in den Studiengebühren beinhaltet ist, die man an HMS bezahlen muss.

Kosten vor Ort:

Verpflegung / Wohnen: Für Verpflegung sollte man 10-20 € pro Tag veranschlagen, je nachdem ob man mittags im Spital essen kann und sich sein Essen abends selbst zubereitet oder ob man lieber essen gehen möchte. In letzterem Fall können die Kosten auch beträchtlich ansteigen!

            Über die Kosten für das Wohnen kann ich leider keine ausreichende Auskunft erteilen, da ich wie gesagt kostenlos bei einer Bekannten wohnen durfte. Ich rate allen Interessierten aber, mit Vanderbilt Hall Kontakt aufzunehmen!

Sonstige Kosten: Hier kommen wir zu dem einzigen wirklich unangenehmen Punkt. Bekanntlich müssen Studenten in den USA Studiengebühren bezahlen, die nicht billig sind. Famulaturen an Lehrkrankenhäusern von Harvard Medical School kann man nicht mit den Krankenhäusern bzw. Abteilungen selbst ausmachen, sondern man muss am „Exchange Clerk Program“ von Harvard Medical School teilnehmen. Und dies bedeutet, dass man - wie jeder amerikanische Student auch - Studiengebühren zu entrichten hat. Diese betragen für das akademische Jahr 2002/2003 pro Monat 2500 US $. Änderungen der Gebühren sind jeweils im September zu erwarten.

Fotos:


(1) Massachusetts General Hospital, Haupteingang


(2) Massachusetts General Hospital: Bulfinch-Gebäude, der älteste Teil des Krankenhauses


(3) Meine Kollegen vom Konsultations-Service und ich


(4) Harvard Medical School (in Brookline gelegen)


(5) Harvard Campus (in Cambridge gelegen)


(6) Boston’s Skyline vom Charles River aus gesehen (mit Hancock Tower)


(7) Ein Teil von Boston’s Skyline vom Hafen am Meer aus gesehen


(8) Massachusetts State House (Regierungsgebäude)


(9) Public Garden, eine der grünen Oasen der Stadt

Empfehlenswerte Internetadressen:

Meine Homepage:        Möchte ich hier nicht wirklich „anpreisen“, da sie noch nicht wahnsinnig aufregend ist. Aber ich werde mich bemühen in nächster Zeit alle Bilder meines Boston-Aufenthalts auf meine Homepage zu stellen. Interessierte können ja in ein paar Wochen auf www.callisto.at.tf vorbeischauen…

Andere Seiten:

Hier sind natürlich zuerst einmal alle HMS-Seiten zu empfehlen, die Interessierten weiterhelfen können:

·        Harvard Medical School, Hauptseite: http://www.med.harvard.edu

·        Harvard Medical School, Office of the Registrar (hier erfährt man alles Wissenswertes über die Anmeldung zum „Exchange Clerk Program“): http://www.hms.harvard.edu/registrar/

·        Harvard Medical School, Office of the Registrar, Exchange Clerk Program for Visiting Medical Students:

http://www.hms.harvard.edu/registrar/aServices/xClerk.html

·        Harvard Medical School, Application for the Exchange Clerk Program: http://www.hms.harvard.edu/registrar/app.html

·        Harvard Medical School Course Catalogue (hier finden sich alle verfügbaren „electives“, unter denen man wählen kann; wird nicht jedes Jahr erneuert, ist aber trotzdem aktuell):

http://www.medcatalog.harvard.edu/

Hauptseite des MGH:  http://www.mgh.harvard.edu/

„Pulmonary and Critical Care Unit“: http://www.mgh.harvard.edu/pulmonary/

Boston mit Sehenswürdigkeiten:

·        Stadt Boston: http://www.cityofboston.gov/

·        Öffentliche Verkehrsmittel: http://www.mbta.com/ (Seite ist allerdings manchmal sehr schwer erreichbar!)

·        Museum of Science: http://www.mos.org/

·        Museum of Fine Arts: http://www.mfa.org/

·        New England Aquarium: http://www.neaq.org/index.flash4.html

Empfehlenswerte Bücher:

Freier Teil:

Hier möchte ich einerseits etwas genauer über meine eigenen Eindrücke berichten, andererseits auch mögliche Fragen zur Anmeldung für eine Famulatur an einem Lehrkrankenhaus der Harvard Medical School beantworten, wobei ich mit letzterem informellen Teil beginnen möchte.

Grundsätzlich kann sich jeder Medizinstudent im letzten Ausbildungsjahr, welcher gute akademische Erfolge nachweisen kann, bei HMS für eine bis drei 4-wöchige Famulatur(en) bewerben. Grundvoraussetzung ist natürlich die Kenntnis der Englischen Sprache, was aber für Studenten aus Österreich kein großes Hindernis sein sollte, da wir ja alle eine gute Englischausbildung in der Schule erhalten.

Interessierte können sich den Informationsbogen inklusive Anmeldeformular von der Homepage des Office of the Registrar herunterladen:

http://www.hms.harvard.edu/registrar/app.html, dort Punkt 4. (Download the Exchange Clerk Program application) anwählen.

Anmeldungen sollen frühestens 6 Monate vor dem gewünschten Termin abgeschickt werden. Die Anmeldefristen sind dem Informationsbogen zu entnehmen.

Das Anmeldeformular enthält einen Abschnitt, der vom Studenten selbst auszufüllen ist. Hierbei sollten mindestens 3 verschiedene Famulaturen aus dem „Course Catalogue“ als Wahlmöglichkeiten angeben werden. Man kann auch noch einen eigenen Zettel mit weiteren Möglichkeiten angeben, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass man zu einer Famulatur zugeteilt wird. Die meisten Famulaturen bieten nur Plätze für 2-3 Studenten!

Man muss sich an die vorgegebenen Daten für die Famulaturen halten, die ebenfalls der Anmeldeinformation beigefügt sind. Änderungen sind nicht möglich!

Ein zweiter Abschnitt des Anmeldeformulars ist vom Studiendekanat auszufüllen. Außerdem benötigt man ein englisches „transcript“ der abgelegten Prüfungen (ich empfehle, sich auch alle Famulaturen bestätigen zu lassen und auch das beizulegen) und ein Empfehlungsschreiben des Dekans.

Des weiteren muss ein beigelegtes Impfblatt ausgefüllt werden. Man geht am besten zum Institut für Tropenmedizin oder zum eigenen Hausarzt, um alle fehlenden Impfungen und Tests durchzuführen und alle Ergebnisse bestätigen zu lassen. Dieser Vorgang kann einiges an Zeit in Anspruch nehmen (vor allem, wenn man diverse Impfungen nachholen muss!), also sollte man das in der eigenen Zeitplanung berücksichtigen.

Zusätzlich muss man die „CORI Request Form“ (CORI = Criminal Offender Record Information) ausfüllen, welche es HMS erlaubt, eine Überprüfung über mögliche registrierte Kriminaldelikte via „Massachusetts Criminal History Systems Board“ durchzuführen. Dieser „CORI“-Überprüfung wird vom Gesetz in Massachusetts für alle Mitarbeiter einer medizinischen Einrichtung, welche Patientenkontakt haben, vorgeschrieben. Man muss selbst nichts weiter tun, als das „CORI Request Form“ Blatt auszufüllen.

Weiters benötigt man eine englische (!) Bestätigung über eine persönliche Krankenversicherung, welche in den USA gilt. Diese muss man der Anmeldung belegen.

Außerdem muss man 75 $ für die Bearbeitung der Anmeldung bezahlen, welche man am besten in Form einer „International Money Order“ beilegt. (Man darf diese Gebühr nicht überweisen!) Diese „Money Order“ bekommt man z.B. im American Express Reisebüro (Kärnterstrasse 21-23, 1010 Wien).

Hat man die Anmeldung mit allen erforderlichen Unterlagen (natürlich mit air mail) abgeschickt, so muss man auch noch das Office of the Registrar für ein kurzes Telefoninterview anrufen, wobei nur überprüft wird, wie gut man Englisch spricht. Prinzipiell steht in der Anmeldeinformation, dass Studenten aus Deutschland nicht anrufen müssen, und mir wurde bei meinem Anruf gesagt, dass Studenten aus deutschsprachigen Ländern generell nicht anrufen müssten. Ich würde einen Anruf sicherheitshalber aber trotzdem empfehlen.

Etwa eineinhalb bis zwei Monate vor der geplanten Famulatur bekommt man eine Information von HMS, ob man akzeptiert wurde, und für welche der gewählten Famulaturen man eingeteilt wurde. Danach muss man nur noch die Studiengebühr bezahlen, die man diesmal überweisen darf. Man muss alle Überweisungsspesen selbst übernehmen, sodass HMS den vollen Betrag auch wirklich erhält. Und natürlich ist dies nun auch der Zeitpunkt, eine Unterkunftsmöglichkeit zu fixieren.

Bei Fragen zur Famulatur kann man sich entweder noch mal ans Office of the Registrar oder gleich direkt an die Kontaktperson an der zugeteilten Abteilung, deren Namen man mit der Zusage von HMS mitgeteilt bekommt.

Insgesamt ist alles sehr gut organisiert, und ich hatte mehr als genug Zeit für die Planung meines Aufenthaltes. Auch meine Abteilung war über mein Kommen informiert, sodass auch hier am ersten Tag alles reibungslos verlief.

Sollten sich Probleme ergeben, so sind stets alle zuständigen Stellen erreichbar und helfen einem sehr freundlich weiter. Überhaupt sind die Amerikaner ein sehr höfliches, freundliches und hilfsbereites Volk, nicht nur im Krankenhaus und an der Universität, sondern auch im täglichen Leben.

Dies führt mich nun auch dazu, über meine eigenen Eindrücke zu berichten. Ich hatte mir eine Woche vor dem Beginn meiner Famulatur Zeit genommen, die Stadt zu besichtigen, und ich kann nur jedem empfehlen, dasselbe zu tun! Eine Woche war natürlich zu kurz um all die Sehenswürdigkeiten zu besuchen, die man vielleicht gerne sehen möchte, aber ich habe doch recht viel unternommen in dieser Zeit, und man kann die Stadt schon ein wenig kennen lernen. Boston wurde um 1630 herum gegründet und hat dementsprechend auch einiges an amerikanischer Geschichte zu bieten, die untrennbar mit dem Freiheitsgedanken der Kolonisten, dem Kampf gegen das britische Mutterland und der Geburt der Vereinigten Staaten von Amerika verbunden ist. So sollte jeder Besucher dem „Freedom Trail“ folgen, einem durch eine rote Linie gekennzeichneten Spazierweg durch Boston, welcher historische Schauplätze und Sehenswürdigkeiten verbindet. Nicht am Freedom Trail gelegen, aber trotzdem von geschichtlichem Interesse, ist das Boston Tea Party Ship & Museum. Freunde von Museen kommen in Boston auch vollständig auf ihre Rechnung: Das Museum of Fine Arts, Museum of Science, Isabella Gardner Museum und viele andere laden zu stundenlangen Besuchen ein. Auch das New England Aquarium mit seinem 4 Stockwerke hohen „Giant Ocean Tank“, in welchem Haie, Riesenschildkröten, Rochen und diverse Fischarten bewundert werden können, ist eine besondere Attraktion.

Cambridge, welches von Boston nur durch den Charles River getrennt ist, ist eine wunderschöne Universitätsstadt und beherbergt zwei der bekanntesten Universitäten der USA: Harvard und MIT. Beide sind ebenfalls einen Besuch wert! Harvard Medical School findet man allerdings in Brookline, auf der anderen Seite des Charles River.

Herrlich sind auch die diversen Grünanlagen der Stadt: Boston Common, Public Garden und der „Emerald Necklace“, eine 14 Kilometer lange Kette von Parkanlagen, die sich vom Boston Common in den Süden der Stadt erstreckt, laden bei gutem Wetter zu langen Spaziergängen ein.

Auch die Umgebung von Boston hat noch einiges an Geschichte und wunderschöner Naturlandschaft zu bieten: Hier seien beispielsweise Concord, der Minute Man National Historical Park und Walden Pond erwähnt. Sehr weit in den Norden oder Süden Bostons bin ich leider nicht gekommen, obwohl hier ebenfalls wunderbare Küstenlandschaften und historische Städte (Plymouth) zu besichtigen wären. Cape Cod und seine Inselwelt stellt vor allem im Sommer einen beliebten Ausflugs- und Urlaubsort dar.

Mit dem Beginn meiner Famulatur hatte ich dann weniger Zeit für die Sehenswürdigkeiten der Stadt und Umgebung, jedoch fing das eigentliche Erlebnis damit ja erst an. ;-) Alle Mitarbeiter meiner Abteilung waren ohne Ausnahme extrem nett und hilfsbereit, und haben sich immer für mich interessiert und mich auch zu diversen Veranstaltungen (Weihnachtsfeiern, Abendveranstaltungen in Restaurants, gemeinsames Mittagessen…) außerhalb des Krankenhauses mitgenommen, was ein großer Spaß war!

Den engsten Kontakt hatte ich natürlich zu den beiden „fellows“ des Konsultations-Service, und zu der jungen Ärztin, welche als „resident“ bei uns im Team war. Ich habe nicht nur jede Menge von diesen 3 Kollegen gelernt, sie sind auch wirkliche Freunde geworden. Sie hatten einfach immer Zeit, wenn ich Probleme hatte und sind so manche Patientengeschichte gemeinsam mit mir durchgegangen. Sie alle haben mir den Eindruck gegeben, ein wichtiger Teil des Teams zu sein, auch wenn man sich als Student manchmal eher wie eine Last vorkommt. ;-)

Auch von den Sekretärinnen war ich sehr begeistert – sie waren immer alle unglaublich nett und haben mir fast das Gefühl vermittelt, Teil einer Familie zu sein.

Gewöhnungsbedürftig ist für uns Österreicher sicherlich erst einmal, dass sich alle mit den Vornamen ansprechen, und man sich auch den Patienten mit Vornamen vorstellt. Die Tatsache, dass ich Ausländerin war, rief bei den meisten Patienten Neugier und Interesse hervor, fast alle wollten einfach mehr über meine Heimat wissen, und darüber wie es mir in den Staaten gefällt. Ich habe niemals Ablehnung erfahren, und auch meinen Akzent fanden alle sehr nett – ich hatte eigentlich überhaupt keine sprachlichen Probleme, da die Amerikaner immer bemüht sind, einen zu verstehen.

Die Teilnahme an einem Konsultations-Service dieser Art war für mich neu, vor allem die eigenständige Präsentation der Patienten in den Visiten und auch die Betreuung der eigenen Patienten. Ich denke, dass man auf diese Weise viel lernt, weil man sich mit den Fällen eigenständig auseinandersetzen muss, Literatur dazu sucht und auch die Zeit bekommt, sich genauer einzuarbeiten. Man lernt die Theorie, die man sich im Studium angeeignet hat, anzuwenden, ohne die Notwendigkeit einen Stationsbetrieb mit aufrechterhalten zu müssen (Blutabnehmen, etc.), was einem mehr Zeit für das Durchdenken der einzelnen Fälle gibt.

Alles in allem denke ich, dass ich eine Menge profitiert habe, und ich würde jedem anderen Medizinstudenten eine Famulatur in den USA nur wärmstens empfehlen! Natürlich sind mir Boston und das Mass General besonders ans Herz gewachsen, doch ich denke, dass auch in anderen amerikanischen Krankenhäusern wunderbare Erlebnisse auf Austauschstudenten warten, falls einem Boston (zumindest im Winter) zu kalt ist!! ;-)

Also: Traut Euch, es bleibt für immer ein unvergessliches Erlebnis!