Statement der AMSA zum Blutspenden von Männern, die Sex mit Männern haben

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Wir, die Austrian Medical Students‘ Association (AMSA), sprechen uns gegen den Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), beim Blutspenden aus.

Laut Richtlinien des Österreichischen Roten Kreuzes basiert diese Ausgrenzung auf einem, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, erhöhten Risiko, sich mit Infektionskrankheiten (vor allem HIV) anzustecken und einem verbleibenden Restrisiko bei der Diagnostik im Sinne von falsch negativen Ergebnissen. „Einmaliges HIV-Risikoverhalten“ führt allerdings nur zu einer Sperre von vier Monaten. [1]

Der Europäische Gerichtshof befand 2015, dass der Ausschluss von Männern, die Sex mit Männer haben, nur dann rechtens ist, sofern ein erhöhtes Übertragungsrisiko für Infektionskrankheiten wie HIV besteht. [2] Dieses wird durch die WHO wie folgt definiert:

• Ungeschützter analer oder vaginaler Geschlechtsverkehr
• Bestehende Infektion mit einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit wie Syphillis, Herpes, Chlamydien, Gonorrhoe und bakterieller Vaginosis
• Teilen von kontaminierten Nadeln, Spritzen und anderem Injektionsmaterial bei der Verwendung von intravenösen Drogen
• Erhalten von nicht standardgemäß durchgeführten Injektionen, Blutspenden, Gewebetransplantaten und anderen medizinischen Eingriffen, die Stechen oder Schneiden involvieren
• Unabsichtliche Nadelstichverletzungen, auch unter Fachkräften im Gesundheitswesen [3]

In der sexuellen Orientierung sieht die WHO, im Gegensatz zum Österreichischen Roten Kreuz, kein Risiko. [3] Wir sehen hier die Gefahr eines Verwechselns von Risikoverhalten mit Risikogruppen und streben ein wissenschaftlich fundiertes und nicht diskriminierendes Blutspendesystem an. Einen Lösungsvorschlag stellt das Ersetzen des Dauerauschlusses einer bestimmten Bevölkerungsgruppe durch eine zeitlich befristete Rückstellung – abhängig vom letzten Zeitpunkt des Risikoverhaltens – dar, wie es in anderen Ländern schon der Fall ist. [4] [5]

In unserem Standing Committee on Sexual and Reproductive Health incl. HIV/AIDS (SCORA) beschäftigen wir uns eingehend mit der Aufklärung der Bevölkerung hinsichtlich dieses Themas. Dabei steht für uns vor allem die Endstigmatisierung von homosexuellen Menschen im Vordergrund. [6] Deshalb begrüßen wir das Vorgehen von Bundesministerin Dr.in Oberhauser eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema in ihrem Ministerium zu beauftragen. [7] Wir lehnen die zurzeit in Österreich präsente Diskriminierung ab und werden uns weiterhin für die Gleichberechtigung aller Menschen in unserer Gesellschaft einsetzen.

Wir hoffen auf eine faire und evidenz-basierte Lösung und die Aufhebung von Ausschlüssen aufgrund der sexuellen Orientierung der interessierten Spender.

AMSA – Austrian Medical Students‘ Association

[1]  http://www.roteskreuz.at/blutspende/informationen-zur-blutspende/wer-darf-blutspenden/

[2] http://www.zeit.de/politik/2015-04/blutspende-homosexuelle-europaeischer-gerichtshof

[3] http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs360/en/

[4]  http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/blutspende-verbot-fuer-schwule-eugh-hat-urteil-gefaellt-a-1031240.html

[5] https://en.wikipedia.org/wiki/Men_who_have_sex_with_men_blood_donor_controversy#List_of_countries_with_their_stand_on_MSM_blood_donors

[6] http://www.amsa.at/de_DE/standing-committees/scora/  

[7] http://derstandard.at/2000052236903/Gruene-kritisieren-Blutspendeverbot-fuer-homosexuelle-Maenner