Hüttengaudi TNT 2017

03.-05. Februar 2017

Gute Ärzt_innen von heute müssen mehr können als nur Tabletten verschreiben

Salzburg, Gaisberg. Vergangenes Wochenende fand in Salzburg ein internationales Ausbildungswochenende für Medizinstudierende statt. Für die AMSA, die Austrian Medical Students‘ Association, organisierten fünf Studierenden der Med Unis in Salzburg, Innsbruck, Wien und Graz das dreitägige Event „Hütttengaudi TNT“, bei dem 17 angehende Mediziner_innen aus neun Ländern, darunter Österreich, Dänemark, Tunesien, Schweiz, Bulgarien und Indonesien, eine dreitägige Ausbildung „Training New Trainers“ (TNT) zum zertifizierten Softskill-Trainer erhielten. Der Andrang ist groß: auf die 17 Plätze für Teilnehmer_innen gab es über 50 Bewerbungen.

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Großer Andrang für Trainerausbildung

„Das zeigt, dass nicht nur in Österreich der Medizin Studienplan hinterherhinkt: Die Erwartungen an Ärzt_innen im 21. Jahrhundert hat sich geändert und wir müssen ihnen gerecht werden. Die Anforderungen, die die Gesellschaft, Patient_innen, Kolleg_innen und Studierende selbst an eine_n ‚gute_n Ärzt_in‘ haben, sind anders vielfältiger geworden. Wir sollen nicht mehr nur wissen, welches Medikament wir unseren Patient_innen geben sollen, sondern sollen mehr soziale Kompetenz haben: wir sollen Vertrauensperson sein, effizient und gleichzeitig persönlich mit den Patient_innen kommunizieren, sollen als eine Art Gesundheitsanwalt helfen, Krankheiten vorzubeugen, gut im interdisziplinären Team zusammenarbeiten, aber auch als Führungsperson auftreten können und uns auch noch ständig weiter lernen, uns an eine wandelnde Gesellschaft anpassen und auch interkulturelle Herausforderungen im Gesundheitssystem, Stichwort Migration, bewältigen. In unserem Studium finden sich solche Themen, wenn überhaupt, selten.“, sagt Sabina Cengic, eine der fünf Organisator_innen. Genau diese Punkte spricht die Ausbildung an: Themen sind neben Kommunikation und Leadership auch Teambuilding, Zeitmanagement, Peer-to-peer education und Lehrmethoden. Ziel der Ausbildung, die auf Englisch stattfindet, ist es, Medizinstudenten Wissen, Methoden und Fähigkeiten mitzugeben, die sie dann in ihrem lokalen Umfeld anwenden können. „Ich bin top motiviert und freue mich schon, bald an meiner Heimatuni Workshops zu veranstalten und meine Komillitonen zu trainieren!“, sagt Marie aus Salzburg nach dem Workshop.

Weißwurst und Harissa bei Bergpanorama

Internationale Verständigung kam auch am Ausbildungswochenende nicht zu kurz: untergebracht in einer urigen Berghütte gab es ein Rahmenprogramm zum Training: ein internationales Buffet, bei dem alle Teilnehmer_innen typisches Essen, Süßigkeiten und Getränke aus ihren Heimatländern mitbrachten. Mit gemeinsamem Essen, Teambuildingspielen und Sauna ließ man den Abend gemütlich neben dem Kachelofen ausklingen. Ein Schmankerl war auch das Weißwurstfrühstück mit Brezen und original süßem Senf, der von den internationalen Teilnehmer_innen zuerst argwöhnisch beäugt, aber dann restlos verputzt wurde. „Ich bin froh, mich für den Workshop in Österreich und nicht zuhause beworben zu haben, neben dem Wissen und den Skills die ich hier lerne auch noch viele Gleichgesinnte aus der ganzen Welt zu treffen und neue Freundschaften zu knüpfen, finde ich besonders toll. Ich werde bald meine neuen Freunde aus Innsbruck besuchen und vielleicht Schifahren lernen und im Sommer bekomme ich Besuch von einer Österreicherin, die an unserem Austausch-Event zum Thema Sexuelle und Reproduktive Gesundheit in Tunesien teilnehmen will. Das ist super!“ meinte Molka, eine Medizinstudentin im 2. Jahr aus Tunesien.

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Organisation und Vortragende komplett ehrenamtlich

Alle Teilnehmer_innen haben 100€ Teilnahmegebühr gezahlt, die für Unterkunft und Verpflegung verwendet werden. Das ist möglich, weil die drei Internationalen „Trainer_innen“, die auch Medizinstudierende mit Zertifikat und mehr Erfahrung im Bereich „non-formal education“ sind, sowie das Organisationskomitee ehrenamtlich arbeiten. Mitorganisator Niklas Danhauser aus Wien meint: „Klar ist das zeitintensiv und anstrengend, aber wenn ich dann sehe, was für ein tolles Event wir auf die Beine gestellt haben, war es die Mühe auf jeden Fall wert!“ Lisa Kelm aus Innsbruck stimmt zu: „Wir hatten auch tolle Sponsoren, die uns mit Sachspenden wie zum Beispiel einem Rucksack oder Schreibmaterialien für den Workshop, mit denen wir dann ein Wilkommenspackerl für jede_n Teilnehmer_in gepackt haben.

„Soziale Selektivität darf nicht sein“

Ohne diese Unterstützung wäre die Organisation um einiges schwieriger geworden. Wenn es nächstes Jahr eine Fortsetzung des Events gibt, werden wir versuchen auch Geldspenden aufzutreiben, um die 100€ Teilnahmegebühr noch zu reduzieren. Klar sind 100€ im Vergleich zu dem, was zum Beispiel Firmen für gleichwertige Events ausgeben, nichts, aber wir wollen, dass wirklich jeder teilnehmen kann. Zu den Sponsoren zählten die Medunis Wien, Graz, Salzburg, die Tirol Kliniken, Alumni-i-med, die Raiffeisenbank International sowie die Verläge Thieme und Elsevier.

Wie nicht nur die Bewerber_innenzahlen, sondern auch das Feedback durch die Evaluation zeigen, wird eine Fortsetzung des Hüttengaudi TNT gewünscht: Alle Teilnehmer_innen gaben an, dass ihnen die Ausbildung sowohl für ihre persönliche Entwicklung, als auch für Ihr späteres Berufsleben geholfen hat. Sowohl das Organisationsteam als auch die Trainer_innen freuen sich darüber: „Es ist schön zu sehen, dass alle ein tolles, lehrreiches Wochenende hatten. Das macht uns und auch das Organisationskomitee schon ein bisschen stolz und gibt uns Motivation, weiterhin so viel Zeit und Energie in unsere Arbeit zu investieren“ sagt Birk Bähnemann aus Bulgarien, einer der Trainer_innen.

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